Centring Marginalisation for Effective and Just Public Health Policy and Practice
Über das Projekt
Das Forschungsprojekt Centring Marginalisation for Effective and Just Public Health Policy and Practice (Fokus Demarginalisierung. Für eine wirksame und gerechte Politik und Praxis in Public Health) untersucht, wie Prozesse der Marginalisierung im Kontext von Public Health verstanden, verstärkt oder reduziert werden. Ziel ist es, Strategien zu entwickeln, die Gesundheitsgerechtigkeit fördern und sicherstellen, dass gesundheitspolitische Maßnahmen alle Bevölkerungsgruppen angemessen berücksichtigen.
Das Projekt ist am Institut für Ethik und Geschichte der Gesundheit in der Gesellschaft an der Universität Augsburg angesiedelt und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die Laufzeit beträgt 36 Monate (Mai 2024 – April 2027). Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Verina Wild. Ko-Antragstellende sind Keren Landsman und Cristian Timmermann.
Hintergrund & Bedeutung
Marginalisierung wird als eine zentrale soziale Determinante von Gesundheit verstanden. Sie führt dazu, dass bestimmte Gruppen – beispielsweise Menschen mit Behinderungen, Personen mit niedrigem Einkommen oder Migrationshintergrund – systematisch schlechtere Gesundheitschancen haben. Dies zeigt sich unter anderem in einer höheren Krankheitslast, einem erschwerten Zugang zu Gesundheitsdiensten sowie in verzögerten Diagnosen und Behandlungen. Zudem werden die spezifischen Bedarfe dieser Gruppen in gesundheitspolitischen Entscheidungen häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Ziel des Projekts ist es, diese Mechanismen sichtbar zu machen und evidenzbasierte Strategien für eine gerechtere Gesundheitsversorgung zu entwickeln.
Methodisches Vorgehen und Forschungsziele
Die Untersuchung basiert auf einem integrativen methodischen Ansatz, der empirische Datenerhebung mit normativer Reflexion kombiniert. Ein zentrales Element des Projekts ist die Analyse, wie Marginalisierung im Kontext von Public Health definiert, adressiert und erlebt wird. Dazu werden eine umfassende Literaturrecherche sowie qualitative Interviews mit betroffenen Personen und Expert:innen durchgeführt. Die empirischen Ergebnisse werden durch eine normativ-theoretische Analyse ergänzt. Dabei kommen Konzepte aus der Public Health-Ethik, feministischen Theorie und Sozialepistemologie zum Einsatz, um Marginalisierungsmechanismen systematisch zu reflektieren und Spannungsfelder zu identifizieren.
Das Projekt verfolgt dabei zentrale Ziele:
- Identifikation normativer Grundlagen: Welche Annahmen über die „allgemeine Bevölkerung“ liegen Public Health-Strategien zugrunde, und welche Gruppen werden dabei systematisch ausgeschlossen?
- Evaluation der Public Health-Praxis: Wie wird „Marginalisierung“ in gesundheitspolitischen Strategien adressiert und welche Maßnahmen werden vorgeschlagen?
- Erfassung der Erfahrungen von Gruppen, die von Marginalisierung betroffen sind: Wie erleben betroffene Personen Marginalisierung im Gesundheitswesen und welche Bedürfnisse haben sie?
- Analyse der Rolle von Sprache: Wie kann über Marginalisierung gesprochen werden, ohne sie zu verstärken? Welche Begriffe und Narrative werden verwendet, welche normativen Implikationen haben sie, und welche Alternativen könnten inklusiver sein?
- Theoretische Weiterentwicklung: Wie kann das Konzept der Marginalisierung normativ und empirisch weiterentwickelt werden, um Exklusionsmechanismen besser zu verstehen?
- Ableitung praxisrelevanter Empfehlungen: Wie lassen sich empirische und normative Erkenntnisse in gerechtere Public Health-Strategien integrieren?
Die Projektergebnisse werden in wissenschaftlichen Publikationen und Präsentationen verbreitet (
siehe ausführliche Liste).