Ausstellung und Buchvorstellung: Recht auf gut Deutsch. Ulrich Tenglers Layenspiegel in der europäischen Rechtstradition
(...) Gegenstand des vorzustellenden Buches und der Ausstellung ist der "Layenspiegel", ein in der frühen Neuzeit überaus erfolgreiches Rechtsbuch in deutscher Sprache, welches das gemeineuropäische römische Recht mit den Rechtspraktiken Deutschlands und insbesondere der heutigen Region des bayerischen Schwaben verknüpft und eine treibende Kraft der weiteren Rechtsentwicklung in Deutschland wurde.
Das Werk erschien erstmals 1509 in Augsburg, sodann erweitert ebenfalls in Augsburg in den Jahren 1511 und 1512. Andernorts wurde es nachgedruckt und beeinflußte die Rechtsentwicklung im damaligen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation maßgeblich. Der Laienspiegel diente den zumeist nicht akademisch gebildeten Amtsträgern in der Rechtspflege sowie Unternehmern und Bürgern beim Beilegen von Rechtsstreitigkeiten.
Der Laienspiegel umfaßte das gesamte Recht - in modernen Kategorien: Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht. Sein Verfasser Ulrich Tengler (um 1445 - um 1522) konnte aus eigener Erfahrung als Amtsträger schreiben. Er war Gerichtsschreiber in Heidenheim an der Brenz (damals bayern-landshutisch), Stadtschreiber in Nördlingen, Kastner in Heidenheim, Landvogt in Graisbach, Landvogt in Höchstädt.
Tengler erwies sich in seinem Laienspiegel als modern, seinerzeit begonnene Entwicklungen konsequent fortführend. Die praktische Bedeutung des Werks mit einer Vorprägung späterer Wandlungen in Gesetzgebung der Städte und Territorien und im römisch-gemeinen Recht gesetzliche und wissenschaftliche kann kaum überschätzt werden. Hinzu tritt die in dem Werk dargestellt Argumentationskunst; der Layenspiegel ist zugleich eine hoch anschauliche Methodenlehre, mit denen die nichtgelehrten Amtsträger die Überzeugungskraft ihrer Entscheidungen stärken konnten. Und eine ganz besondere Zutat sind zahlreiche Holzschnitte, welche das ist Worten Dargestellte zur leichteren Verinnerlichung bildlich vermitteln. Die Universitätsbibliothek Augsburg bewahrt ein Exemplar der Ausgabe Augsburg 1511 (in der Ausstellung zu sehen), welches durch Ausmalung einen besonders prächtigen Eindruck vermittelt.
Auf einer interdisziplinären öffentlichen Tagung in der Schwabenakademie Kloster Irsee im April 2024 (24. bis 26. April 2024) durchdrangen rund zwei Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das
Werk
. Die Erträge der Tagung sind in dem vorzustellenden Buch versammelt. Die Buchvorstellung ermöglicht es Interessierten der Region, die keine Gelegenheit zur Tagungsteilnahme hatten, an den Erkenntnissen und damit an einem bedeutenden, lebenswirksamen Teil des historischen Selbstverständnisses der Region teilzuhaben. Das Projekt genoß die Unterstützung zahlreicher Institutionen.
Die Universitätsbibliothek hat zur Ankündigung eine Internetseite eingerichtet:
